Josef Sodomka

Tatra 57, Tatraplan T 600, Aero 50, Škoda Superb oder Walter Regent, alle diese Fahrzeuge haben etwas gemeinsam. Auf den zahlreichen Karosserieversionen ist die Hand von Josef Sodomka zu finden.

 

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Josef Sodomka, sen.

wurde am 02.11.1865 in einer kleinen ostböhmischen Gemeinde Krouna bei Skuteč geboren. Nach der Beendigung der Lehre als Stellmacher im Jahr 1882 sammelte er Erfahrungen in Prag, Trutnov und Jihlava. Nach 13 Jahren kam er zurück und gründete im Jahr 1895 eine eigene Werkstatt die „První východočeská parostrojní výroba kočárů Jos. Sodomky ve Vysokém Mýtě“ zur Fertigung von Kutschen und Nutzfahrzeugen, die im Jahr 1905 in eine Fabrik umgewandelt wurde.

 

Anfangs führte er nur Reparaturarbeiten aus, später baute er eigene Kutschen und Schlitten und machte sich in den Jahren 1906 bis 1913 in ganz Österreich-Ungarn einen guten Namen. Durch die Auswirkungen des 1. Weltkrieges musste ein neues Fertigungsprogramm gesucht werden, welches schließlich im Jahr 1925 im Karosseriebau gefunden wurde. Das Unternehmen wurde Ende 1930 / Anfang 1931 durch seinen Sohn Josef übernommen. Josef Sodomka sen. starb dann acht Jahre später am 08.06.1939.

 

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Kutsche Landauer (1906)

Kutsche Kárka (1906)

Schlitten (1906)

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Josef Sodomka, jun.

wurde am 07.07.1904 in Vysoké Mýto geboren. Im Jahr 1921 beendete er bei seinem Vater die Lehre als Stellmacher und ein Jahr später absolvierte er die Karosseriefachschule in Kašperské Hory. In den Jahren 1923 bis 1925 war er als Arbeiter bei Laurin & Klement in Mladá Boleslav beschäftigt, wo er die nötige Praxis erwarb. Im Jahr 1925 nahm er die Arbeit bei seinem Vater auf und begann sofort mit dem Karosseriebau.

 

Sodomkas Absicht war es nie ganze Fahrzeuge zu bauen. „Wir werden Fahrzeugkarosserien produzieren“, sagte er seinem Vater, als er im Jahr 1925 zurück nach Vysoké Mýto kam. Nach sechs Jahren übernahm er die Firmenleitung und bis zum Krieg entwickelte er daraus eine Karosseriebaufirma europäischen Maßstabes. Er produzierte Karosserien sowohl für tschechische, als auch für internationale Automobilfirmen und bekam auf internationalen Autosalons zahlreiche Auszeichnungen.

 

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Fabrikansicht in den dreißigen Jahren des 20. Jahrhunderts

Die erste Fahrzeugkarosserie wurde im September 1925 hergestellt, es war ein offener Wagen auf dem Fahrgestell von Praga Mignon, den der einheimische Spediteur Šplíchal in Auftrag gab. Die Karosserie war nicht mit Blech beschlagen, der Holzrahmen war mit Lederimitation bespannt.

 

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Erstes Fahrzeug,

Erster Tatra,

Erster Bus,

Praga Mignon (1925)

Tatra 12 mit Faltdach (1928)

Fahrgestell Škoda 125 (1928)

Für die Firma Baťa entwarf Sodomka im Jahr  1926 die erste Karosserie mit variablem Interieur (Praga Grand), ein Jahr später für den Eigentümer der Fa. Prokop die erste Luxuslimousine (L&K Škoda 350). Daneben wurden nicht nur Fahrzeuge der einheimischen Firmen (L&K, Praga, Zbrojovka, Tatra, Walter) aufgebaut, sondern auch eine ganze Reihe Karosserien auf  Fahrgestellen solcher Firmen, wie z.B. Fiat, Citroën, Ford, Lincoln oder Lastwagen auf dem Chevrolet-Fahrgestell. Der erste Bus wurde im Februar 1928 auf dem Fahrgestell Škoda 125 für 14 sitzende Passagiere gebaut.

Ab 1929 werden die ersten Cabriolets gebaut, sie haben ein Faltdach, Lackierung wird durch Beklebung aus Lederimitation ersetzt, später werden zweifarbige Lackierungen eingeführt.

 

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Viersitzer Cabriolet Laurin-

Viertüriges Cabriolet auf

Karoserie faux Cabriolet mit

Klement mit Klappdach (1929)

Fahrgestell Z 9 - Zbrojovka Brno (1929)

festem Dach auf Fahrgestell Tatra 52 (1931)

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Viersitzer PKW Tatra 52

PKW Tatra 52 mit Klappdach

Zweisitziger Sportroadster,

Typ Tudor (1932)

(1932)

Tatra 52 mit ungewöhnlich kurzen Kotflügeln (1932)

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Cabriolet auf dem Fahrgestell

Cabriolet Lancia Astura,

Viertürige Limousine Tatra 70a

Walter Super 6b (1932)

Ganzstahl Karosserie (1934)

mit Sechszylinder wassergekühlten Motor (1934)

Eine neue Etappe in der Entwicklung der Firma beginnt im Jahr 1932. Auch wenn sich die gesamte tschechische Wirtschaft in einer Krise befindet, die Nachfrage nach den Fahrzeugen aus Vysoké Mýto reißt nicht ab. Die Kurvenlinien der PKW´s verändern sich grundsätzlich, die bisherigen kantigen Karosserien werden durch runde Linien mit aerodynamischen Elementen und verlängerten Kotflügeln, eingelassenen Scheinwerfern sowie geneigten Kühlergrills ersetzt. Die eleganten Karosserien von der Firma Carrosserie Sodomka etablierten sich sehr schnell unter den besten in Mitteleuropa, regelmäßig nehmen sie an den einheimischen und internationalen Wettbewerben teil und bekommen zahlreiche Auszeichnungen.

Zahlreiche Siege in den Eleganzwettbewerben weckten das Interesse nicht nur unter den namhaften einheimischen und internationalen Kunden, sondern auch den Automobilbauern. In der Fabrik kommt es zur Vergrößerung der Produktionsfläche, zur Verbesserung der Maschinenausstattung und zur Erhöhung der Beschäftigtenzahl. Die Firma hatte genügend qualifizierte Arbeiter, es wurden überdurchschnittliche Arbeitsbedingungen, gute Löhne, Wohnungen, Werksküche eingeführt und Sodomka bekam den Namen "Baťa Ostböhmens".

 

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Es kommt zur Produktion von kleineren Serien, wie z.B. auf dem Fahrgestell Walter Junior 79 und auf dem Fahrgestell Tatra 52, insgesamt 85 Stück. Das Schild „Carrosserie Sodomka“ schmückte Fahrzeuge der Oberklasse, aerodynamisch stilisierte Cabriolets und Limousinen Walter in der Ausführung „1000 Meilen“ oder Walter Regent wurden auf der 25. Automobilausstellung in Prag im Jahr 1935 hoch geschätzt.

Im Jahr 1936 beginnt die enge Zusammenarbeit mit der Prager Automobilfirma Aero. In dieser Zeit werden Karosserien auch auf den Fahrgestellen verschiedener französischen, italienischen, deutschen, britischen, aber auch amerikanischen Automobilfirmen gebaut, wie z.B. Ford, Nash, Graham, Studebacker, Lincoln, Packard, Plymouth und Rolls Royce.

 

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PKW Tatra 52 Cabriolet

Cabriolet Aero 30 in

Sportroadster, Viersitzer

(1935)

zweifarbiger Ausführung (1935)

Walter Lord (1935)

Sodomkas Handschrift trug u.a. auch Bugatti des Grafen von Schwarzenberg, Tatra des berühmten tschechischen Schauspielers Jan Werich, das Cabriolet Studebacker Commander des arabischen Scheichs, das Cabriolet La Salle des britischen Königs Georg VI, eine Luxuslimousine Aero 50 von Frau Hana Benešová, Gattin des zweiten tschechoslowakischen Präsidenten, uvm.

 

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Spezielles Cabriolet La Salle

Elegantes Cabriolet Aero 50

Elegantes Cabriolet auf dem

des britischen Königs Georg VI. (1938)

(1938)

Fahrgestell Z 5 in zweifarbiger Lackierung (1936)

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Eine der berühmtesten Karosserien von J. Sodomka, Cabriolet Aero 50, genannt "Arizona" (1939)

Zu den berühmtesten Karosserieformen gehören vor allem einige Luxusfahrzeuge der Marke Aero aus dem Jahr 1939 mit tropfenförmigen Kotflügeln, welche bis heute als Gipfel des tschechoslowakischen Karosseriedesigns der Vorkriegszeit gelten

Die Fachpresse betonte die Reinheit des Karosseriedesigns und Unverwechselbarkeit, vor allem der Cabrio- und Roadsterfahrzeuge. Oft wurden sie auf die gleiche Stufe mit den beutenden Karosseriefirmen in Frankreich und in Italien gestellt, besonders mit der Firma Carrozzeria Farina Turin, später Pininfarina! Die Jahre 1938 und 1939 brachten zahlreiche internationale Siege in den Elleganzwettbewerben, wie z.B. in Budapest, Le Baule, Nizza, Dinard und Monte Carlo.

Die Kriegszeit unterbrach leider die Entwicklungs- und die Konstruktionsarbeiten. Die Firma musste sich an Kriegs- und Staatsaufträgen beteiligen, gefertigt wurden vorwiegend Krankenwagen, Ambulanzfahrzeuge, Busse, Omnibusse, Nutzfahrzeugkarosserien und Anhänger, die als fahrbare Büros und Werkstätten genutzt wurden.

 

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Spezieller Karosseriaufbau zum

Wohnanhänger W 3, Nutzung

Kastenaufbauten mit

Prüfen von Gasmasken auf Fahrgestell Walter (1943)

für Militär, als Büro und fahrbare Ambulanz (1942)

Tarnlackierung als Werkstatt für Militär (1943)

Bis zum Jahr 1943 wurden zwar Karosserien auf dem Fahrgestell Aero 50 gebaut, das Aussehen wurde jedoch durch den strengen Nutzwert ersetzt, es durfte kein strategisches Material verwendet werden. Eine Ausnahme bildet die Speziallimousine auf dem Fahrgestell Maybach SW 42 für den damaligen slowakischen Präsidenten.

 

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Cabriolet Studebacker Dictator

Zweitüriges Cabriolet, Viersitzer,

Speziallimousine für den slow.

(1939)

Praga Piccolo (1938-1940)

Präsidenten Maybach SW42 (1942)

Nach der Beendigung des 2. Weltkrieges wollte Sodomka an seine bisherigen Erfolge anknüpfen. Die Produktion von Bussen und Kastenaufbauten wurde fortgeführt, dies vor allem auf den Fahrgestellen Škoda und Praga.

Schrittweise wurden Konstruktionsarbeiten auch im PKW-Bereich aufgenommen. Die erste bedeutende Präsentation erfolgte im Jahr 1947 auf dem Prager Autosalon, gezeigt wurden insgesamt 5 PKW´s, darunter 2 Cabriolets Śkoda 1101, eine kleine Limousine auf dem Fahrgestell Tatra 57 und ein Zweisitzer Roadster auf dem Fahrgestell des beliebten Aero Minor II. Eine besondere Anerkennung erhielt ein zweitüriges Cabriolet Škoda Superb für 5 - 6 Personen. Gerade diese Karosserie bestätigte, dass die Firma Carrosserie Sodomka auch nach einer längeren Pause zu den besten in Europa gehört. Alle diese Exponate sollten den  Export ankurbeln und die weitere Entwicklung bestimmen.

 

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Viersitzer Limousine auf dem

Sportroadster Aero Minor mit

Luxus Cabriolet Škoda Superb

Fahrgestell Tatra 57 B (1947)

Vorderradantrieb (1947)

für 5 - 6 Personen (1947)

Es kam jedoch das Jahr 1948, die Kommunisten übernahmen die Macht, die Firma wurde verstaatlicht und in Karosa Volkseigener Betrieb umbenannt. Zu den Schwerpunktaufgaben in der verstaatlichten Firma gehörte die Produktion von Bussen und Nutzaufbauten.

Sodomka blieb auch nach 1948 in der verstaatlichten Firma als Direktor in Funktion tätig und konnte ein Luxus Cabriolet auf dem Tatraplan T 600-Fahrgestell bauen. Das Projekt war einmalig, vor allem dadurch, dass der luftgekühlte Motor hinten war, was bei den Cabriolets der damaligen Zeit eine absolute Rarität darstellte. Das Fahrzeug wurde der Öffentlichkeit zum ersten Mal auf dem Autosalon in Genf präsentiert und hatte dort einen riesigen Erfolg. Im Jahr 1949 wurde das Cabriolet J. V. Stalin zu seinem 70. Geburtstag geschenkt, kam jedoch in den 90. Jahren in die Tschechische Republik zurück und ist im Tatra-Museum in Kopřivnice ausgestellt. Dieses Cabriolet zählt nach Einschätzung der Fachleute zu den bedeutendsten europäischen Karosseriewerken des ganzen Jahrzehnts.

 

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Luxus Cabriolet auf dem

Karoserie des Krankenwagen auf

Gepanzerte Representations-

Fahrgestell Tatra T 600 Tatraplan (1948)

dem Fahrgestell T 201 (1949)

limousine Škoda VOS (1950)

Ebenso die Karosserie auf dem Fahrgestell von Tatra T 201 ist vom erfolgreichen Tatraplan abgeleitet worden. In den Jahren 1959 bis 1952 wurde eine Serie von Speziallimousinen Škoda VOS in leichter und schwerer Ausführung für Repräsentationszwecke gebaut.

Sodomka wurde jedoch 1950 auf Grund eines auskonstruierten Prozesses für zwei Jahre verhaftet. Nach der Rückkehr aus der Haft durfte er in seine Firma nicht zurückkehren, fand als Konstrukteur und Prüftechniker bei der Firma LIAZ in Mnichovo Hradiště eine Beschäftigung. Ironie des Schicksals war es auch, dass er als anerkannter Karosseriebauer kein Geld für ein anständiges Auto hatte und musste zur Arbeit angeblich mit dem Velorex-Dreirad fahren.

Seine Gesundheit war durch die Haft angeschlagen, mit sechzig Jahren musste er in die Invalidenrente gehen und starb in völliger Vergessenheit am 09.02.1965 im Krankenhaus von Vysoké Mýto. Die Firma Karosa wurde inzwischen der größte tschechische Bushersteller, PKW-Karosserien wurden nur in Ausnahmen gebaut. Nach 1989 musste wesentlich die interne Struktur geändert werden, im Jahr 1994 ging sie in ein Joint-Venture mit der Fa. Renault ein. Der gegenwärtige Eigentümer der Fa. Karosa ist die Gesellschaft Irisbus Holding, dessen Majoritätseigner die italienische Fa. Iveco ist.

Diese kurze Vorstellung kann Ihnen nur einen kleinen Ausschnitt des sehr umfangreichen Werkes von J. Sodomka geben und beschränkt sich auf den Bereich der Personenkraftwagen. Seine richtungweisende Konstruktionen und Design errangen auch einen guten Namen in den Bereichen der Bus-, Lastkraftwagen, Anhänger- und Spezialfahrzeugproduktion.

 


Quellen und Links:

 

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